Galeristin

Und es sind die Sätze, die wir mit Blick aus dem Autofenster und gesenkter Stimme mit einem kleinen Lächeln überspielen, damit die Aussage, die wir eigentlich gar nicht laut vor der Personifikationen der Vergangenheit treffen wollten, verblasst, die bleiben und uns verfolgen. Der Satz, der mich so verletzte und innerlich traf, obwohl du derjenige wohl sein musst, dem es beim Aussprechen die Luft genommen hat.
Du schaffst das - und du wirst ein toller Vater werden, das verspreche ich dir.



Hier fehlt es mir an Komplexität, vielleicht auch an Intensität und im Grunde vielleicht auch nur an Gefühl.
Und dann: Die Aussagekraft der Unterstreichung der Selbstüberschätzung in den Worten "Ich lebe für Verschwendung.", bringt mich zu der Erörterung, dass es nicht ganz falsch ist, nur inkorrekt formuliert. Denn; ich, als ich persönlich, ich lebe höchstens für Exzess. Für den Begriff, der den Zustand beschreibt, die höchste Form von etwas zu wollen oder zu haben. Und vielleicht liegt da der Grund und der Fehler, vielleicht aber auch die Lösung meiner ständigen Rätselraterei.
Ich werde mich nie mit etwas zufrieden geben, was es nicht schafft, alles in mir zu berühren. Und Dank vergangener Erfahrungen, weiß ich, dass es so etwas gibt.


Was ich möchte ? Langfristig glücklich werden. Was ich dazu brauche? Mich. Und was hat mir dieses Ergebnis aufgezeigt? Mein Schmerz der vergangenen acht Monate.
Ich fühle mich besser, ja. Ich hab ein bisschen mehr zu mir gefunden, ja.
Aber:

Ich bin mein eigener Wert, denn er hängt nicht von Dritten ab. Und; auch nicht von mir. Mein Wert ist eine Konstante. Mein Wert verändert sich nicht. Meine Entscheidungen, mein emotionaler Schmerz oder die Dinge, die ich getan habe und die, die mir angetan wurden; sie ändern mich, dennoch nicht meinen Wert. Ich bin so wertvoll und es ist kein Stück, was mit Arroganz als Selbstliebe bezeichnet werden sollte, sondern mit dem Wort 'unvermeidlich' einher gehen müsste, wenn wir nach der Antwort in der Diskussion um Selbstwert suchen.

Ich.

Ein Wort, das für mich, nun so stehen bleibt. Zwar nicht als Erklärung und nicht als ganzes Konstrukt eines Satzes, aber als ein Gefühl von Vollständigkeit.
Als ich damals von der Galerie sprach, hatte ich nicht verstanden, dass wir mehrere Bilder aufgegangen haben, aber das taten wir. Ich sah nicht, dass mein Meisterwerk schon ein Meisterwerk war, bevor wir es aufgegangen haben; bevor wir das verstaubte Leinentuch vorsichtig von dem goldenen, verzierten Rahmen zogen und mein erster Blick auf die schöne Umrandung fiel.

Aber: ich weiß es jetzt. Denn: Ein Meisterwerk bleibt ein Meisterwerk, auch wenn die Lichter ausgeschaltet sind und der Raum bereits leer ist. Und ich bin es.



- Ich bin ein Meisterwerk -






15032018

Vergissmeinnicht

"Mama?", flüstere ich ganz leise, nachdem ich gehört habe, wie sie die Wendeltreppe langsam hochgelaufen kommt, in dem Glauben, ich würde sie nicht hören.

Sie kommt wortlos in mein Zimmer und setzt sich auf den Drehstuhl in der Ecke, in den ich mich immer setzte, wenn jemand die Treppe hochkommt, damit es nicht so aussieht, als würde ich wieder aus dem Fenster starren. 
Sie schaut mich fragend an. 
"Mama,", sage ich etwas lauter, "ich kaufe mir jetzt eigene Blumen". Sie schaut weiterhin fragend und bringt mir nur ein "Du kümmerst dich doch sowieso nicht darum." entgegen.
"Das ist auch mein Ziel.", antworte ich mit viel mehr Selbstsicherheit, als ich mir zugetraut hatte.

Ich kaufe mir jetzt Blumen, einen ganzen Strauß davon. Und dann? Dann lasse ich sie eingehen. 

Ich stell sie auf den weißen Glastisch und werde kein Wasser in die Vase füllen. Ich werde sie in der Mitte durchschneiden und auf die klischeehaften Schminkkommode legen. Ich reiße ihr ein paar Blätter aus und werfe sie in ein teures, durchsichtiges Champagnerglas. Ich schmeiße den Rest des schönes Gestecks weg und trappiere das übrig gebliebene Geäst in einer leeren Rotweinflasche.

Ich kaufe mir jetzt Blumen, einen ganzen Strauß davon. Und sie gehören nur mir. Ich schenke sie mir selbst.

Ich möchte dabei sein, wenn ich sie mir selbst schenke und dabei verlegen lächle. Ich will sehen, wie ich sie stolz zu meinem Auto trage und auf meinen leeren Beifahrersitz lege. Ich möchte mir dabei zusehen, wie ich sie zur Tür trage und mir selbst überreiche. Ich kann nicht abwarten zu sehen, wie verliebt ich in mich bin. Wie ich im Vorbeigehen zur Küche in den Spiegel sehe und mich sehe. 
Nur mich und meine Blumen. 
Ich werde mir die schönsten Plätze für sie aussuchen, genau da, wo ich sie immer sehen und bewundern kann. Aber; sie werden kein Wasser bekommen.

Ich kaufe mir jetzt Blumen, einen ganzen Strauß davon. Ich mache mir ein Liebesgeständnis.



05122017

Der Skizzenblock

Ich saß dort, dort in meinem Raum, dunkel und undurchsichtig
Dieser Raum war klein, leer; ein bisschen erdrückend. Voller Demut, Unglück. 
Du kamst leise herein, obwohl die Tür knarrt, ganz vorsichtig, trotzdem mit einer beängstigenden Schnelligkeit. 
Die Tür war nur angelehnt; der Schlüssel weg. 
Verschwunden.

Du hast mich aufgehoben, ohne zu hinterfragen, mitgenommen und in deinem Zimmer, direkt neben meinem, welches ich vorher nie richtig bemerkt habe, wieder abgesetzt. 
Ich erschrak, dein Raum: dunkel und undurchsichtig
Dieser Raum war klein, leer; ein bisschen erdrücken. Voller Hoffnung also, Potential.

Wir haben uns zusammen den Grundriss angeguckt, die Wand zwischen den Zimmern einfach durchgebrochen. 
Du hast die Fenster geputzt, während ich gefegt habe. 
Der verschwundene Schlüssel lag genau auf der Grenze, 
eingemauert in Beton. Wir haben ihn zerschlagen, um ihn zu finden. 
Wir strahlen uns an, wir haben Glück, denn wir haben ein Zuhause; 
Heimat bist du.

Das Licht schien endlich durch unsere Fensterfront, erflutet alles; eine Bühne, mit Blick auf das Meer. 
Ein großer Raum, hell und transparent, nur für uns. 
Für immer uns.
Wir haben die Wände blau gestrichen, denn das ist unser Kunstwerk, unsere Gabe. Unser Raum ist eine Galerie und von Zeit zu Zeit haben wir ein neues Meisterwerk aufgehangen. 
Ein Loch in die Wand geschlagen, ausgemessen wo die perfekte Lichteinstrahlung ist und es platziert. 


Es ist Winter, wenig Sonne, das künstliches Licht der Lampe hat nicht den selben Effekt; 
oder meinen wir das nur zu glauben, zu wissen? 
Ein Meisterwerk bleibt doch ein Meisterwerk, oder?
Es hält an, Winterdepression, die alte Farbe für unsere Gemälde sind leer; und ich frage:
"Warum holen wir keine neue Farbe?" 
Aber du sagtest, es gäbe keine Farbe mehr in diesem Ton, sie sei momentan leer, aufgebraucht. 
Dabei kommt es bei Meisterwerken doch nicht auf die Farbe an, oder? 
Ein Meisterwerk bleibt doch ein Meisterwerk, der Inhalt, die Arbeit, die Zuneigung ist doch eigentlich das Tatsächliche. 
Aber Kunst war nie Deins, bevor du mich kanntest.

Als du gemerkt hast, dass etwas mit den Bilder nicht stimmt, bist du gegangen. Du hast die Tür aufgelassen und den Schlüssel mitgenommen. 
Am liebsten würdest du alle Gemälde verkaufen, aber den Wert den sie für dich haben, wirst du nie erstattet bekommen.
Um welchen Preis? 
Du hängst sie ab, drehst sie um.

Du weißt wie sehr ich friere, es ist Januar und der Ring mit deinem Versprechen wärmt mich nicht. 
Es lacht mich aus:"Für immer!"
 Es zieht durch die Tür, du hast sie von außen abgeschlossen; 
ist einfacher, unkompliziert, ein Schnitt. 
Du schluckst den Schlüssel runter, er liegt dir schwer im Magen und er kommt dir immer wieder hoch. 

Ich sitze dort und bemerke: unsere Galerie ist schön, denn sie ist echt. 
Mal endlich mit mir in der Dunkelheit! Komm zurück und stell dich, 
denn ein Meisterwerk ist noch immer ein Meisterwerk, 
wenn der Raum leer ist und die Lichter aus sind.



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21012017