Mutismus

"Mein Schmerz, der mit dir zusammenhängt, entsteht aus meiner Angst und Angst ist bei mir übermächtig, sie macht mich aus...Angst bestimmt mich, Angst hält mich fest. Weißt du wann ich keine Angst hatte? Wenn du bei mir warst, körperlich. Ansonsten konnte Angst mich immer zu Allem bringen." - du 

Und jetzt bringt sie mich dazu, dir keine Fragen mehr zu stellen, aus Angst vor der Antwort. 

10  Dinge die ich unbedingt wissen muss:

1. Als du sagtest, dass du in spätestens zwei Jahren dein Leben in die Hand nimmst & schwörst, dass das mit mir sein wird, meintest du das so ernst, dass es wirklich zur Realität wird?

2. Du sagtest, dass du erstmal allein glücklich sein musst & dass das mit uns momentan nicht geht, heißt das, dass du irgendwann zurückkommst oder hast du es gesagt, damit du mir nicht so weh tust?

3. Glaubst du, wir finden wieder zusammen? So, als wären wir wirklich füreinander vorherbestimmt?

4. Triffst du dich mit Anderen & wenn ja, denkst du dabei an mich, vergleichst du Sie mit mir oder können sie dir nur ansatzweise das geben, was wir uns geben konnten?

5. Warum gehst du, obwohl du mich liebst und warum fällt es dir augenscheinlich so leicht ?

6. Hast du auch Erinnerungen, die dich immer und immer wieder heimsuchen, als wollten sie dir irgendetwas sagen?

7. Ist der wahre Grund, warum du mir nie auf meine Fragen antwortest, vielleicht der, dass du sie dir selbst nicht beantworten möchtest?

8. Weißt du, dass es, wenn das mit uns nie wieder so wird wie früher, nicht meine Schuld ist ? Denn Gehen und dich Allein lassen, ist meine letzte Option. Kannst du dein ganzes Leben lang mit dieser Schuld leben?

9. Weißt du wie groß meine Angst ist, irgendwann sehen zu müssen, wie du jemand anderes liebst und mit ihr das Leben führst, das du mir versprochen hast ?

10. Sag mir, tun diese Gedanken dir weh?

Wortgewandt

Ist es nicht paradox, dass die Künstler der Wörter eigentlich diejenigen sind, die in den entscheidenden Situationen schweigen; dass Schriftsteller diejenigen sind, die keine Worte mehr finden?

10 Dinge, die ich im richtigen Moment nicht aussprechen konnte

1. Du bist wirklich der einzige Mensch, den ich wirklich liebe. So sehr, dass es mir das Herz zerbricht, dich gehen zu lassen, nur weil ich weiß, dass es das ist, was du grade brauchst und dich glücklich macht. Dein Glück zählt über Alles.

2. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an dich denke; du bist allgegenwärtig. Dein Fehlen füllt jeden Raum.

3. Das Versprechen hinter dem Ring, den du mir geschenkt hast, ist das schönste, dass du mir geben konntest: Hoffnung auf ein "für immer" mit dir, auf Zukunft & auf eine gemeinsame Familie.

4. Als ich sagte, dass ich den Ring erst ablegen werde, wenn ich die Hoffnung für uns verloren habe, ist wahr. Ich trage ihn an einer Kette. Es schmerzt zu sehr, ihn an meinem Finger zu sehen, aber noch mehr schmerzt es, ihn nicht bei mir zu haben. Ich habe dadurch das Gefühl, dass du immer bei mir bist.

5. Ich werde diese Kette erst dann nicht mehr tragen, wenn ich aufhöre, dich zu lieben. Denn ich glaube, dass du aufhörst für mich zu fühlen, sobald ich den Ring nicht mehr bei mir trage.

6. Ich glaube an Schicksal. Ich glaube daran, dass zwei Seelen immer wieder den Weg zueinander finden und zusammen hören wie die Welt flucht: "Hört auf euch zu zertrennen, ihr seid für einander geschaffen." Irgendwann haben wir uns wieder, versprochen.

7. Jedes Mal, wenn einer an den Anderen denkt oder ihn vermisst, ist der jeweilige Andere nicht ahnungslos; wir sind immer miteinander verknüpft, wir werden wahrscheinlich nie ganz voneinander loslassen können.

8. Wir können beide nicht gut alleine sein, wir brauchen jemanden, wenigstens einfach irgendjemanden. Niemand kann dir das Gefühl geben, was wir uns geben können: das ist Segen und Fluch zugleich.

9. Es mag vermessen klingen, aber ich wünsche dir kein Glück und auch keine Zukunft mit einer Anderen. Jedes Auge, dass uns trifft und uns unser Glück nicht gönnt, soll erblinden & jede Andere als ich, soll dir eine Sünde sein.

10. Du wirst es immer für mich bleiben. Der einzige Mensch, der mich kennt und den ich mich kennen lasse; weil du trotz allem Schmerz, der Einzige bist, der mich glücklich macht.





Hohes Gericht

"Ich will hier so unbedingt weg, ich muss es sogar.", flüsterte er leise in die Leere, die ihn umgab, obwohl er inmitten seines selbstgebauten Labyrinthes saß. "Ich weiß nicht, ob man mich noch retten kann, ob ich so leben muss oder ob wir das schaffen können.", flüsterte er erneut den dunklen Gang entlang. Doch alles was da war, war das Echo. Schrill pfeifend trifft es seine Ohren und er zuckt zusammen. Beim Umschauen bemerkt er, dass er diesen Ort kennt, er war hier schon zweimal. 

Von weit weg, kommt eine leise Melodie, die ihn versucht zu lenken, zu helfen. Von einer anderen Seite hört er Getuschel, die Schaulustigen sind gekommen, um ihn zu beobachten. Anklagend stehen sie da, weit über ihm auf einem Balkon, der die Aussicht auf den ganzen Komplex freigibt und blicken auf ihn in seinem eigenen Gefängnis herab, lachen lauthals; schrill. 

Die Turmuhr schlägt und das Spektakel geht los. Die zusammengepferchten Löwen werden aus den Zwingern gelassen, sie stürzen los, sie wittern Angst. Das Labyrinth bewegt sich, die Gänge verschieben sich, sein Fluchtweg hat sich versperrt; dabei war er es selbst, der zur Show eingeladen hat. Das Rudel hat ihn gewittert und verfolgt ihn während er sich immer weiter verrennt. Alles ist verschwommen, unklar, es ist dunkel, doch es blendet ihn. 

Die weißen Skulpturen am Rand, die dort schon immer stehen, aber sonst irrelevant sind, steigen von ihren Sockeln. Da stehen die Porzellanfrauen um ihn herum; in ihren weißen Kleidern, mit freien Händen, um ihn an einen anderen Ort zu bringen. "Ich habe so eine Angst", stottert er und greift einfach zu; "Jedes Gefühl ist grade besser, als das. Betäubt mich einfach, ich fühl zu viel Schmerz!" 

Die Tribüne stößt an, auf das Meisterwerk, welches sich vor ihnen abspielt; es war jeden Preis wert. Die Frauen legen ihn in eine schmale Gasse, schauen zu, wie das Gift sich ausbreitet; ziehen sich aus und legen sich zu ihm. Doch der letzte klare Gedanke, ist die Erinnerung an die Melodie, die immer weniger zu ihm durchdringt.

Das Gefühl, das lebte

Ich öffne die Augen: alles dunkel. Das schon schwach gewordene Licht meines alten Radioweckers flackert langsam und bedächtig weiter bläulich vor sich hin. 
02:08 und ich kann nicht schlafen. 
Ich steh auf, geh zu meinem Platz und bleibe dort wie angewurzelt stehen. Die große Wanduhr tickt vor sich hin, langsam und bedächtig. Tick Tack. Ich schaue aus dem Fenster, hab meine Jalousien nicht runtergezogen. Draußen geht der Lichtmelder an und wieder aus, langsam und bedächtig. Ich schließe die Augen, sie tun mir weh. 
Gucke wieder auf die flackernde Anzeige: 02:13 und ich kann nicht schlafen. 
Die Zeit geht nicht um; nur langsam und bedächtig. Ich spüre den Luftzug, der durch das undichte Fenster kommt und weiß, wer auf dem Weg ist. 
Es entgleited mir wieder meiner Kontrolle, ich atme ganz schnell, ganz panisch, ich, ich weiß nicht wieso, ich ; ich halte den Atem an und spüre es auf meinem Rücken. 

Es zieht und zerrt sich an mir hoch, es reißt an meinen Haaren, kriecht über meinen Körper und schlingt sich fest um meinen Hals.  Es hockt auf meiner Schulter, streckt sich vor, starrt mir in die Augen, es lässt nicht locker; es ist gekommen um zu Spielen. 
Verwurzelt am Boden blicke ich es an, wie es an mir runtersteigt und sich vor mir wieder aufbaut, aufplustert und stetig wächst. Es kommt mir zu nah, legt seine Krallen um meinen Schädel und zieht mich ruckartig fest an es heran. Der kantige, rostige Körper schneidet mich, ich will weg, doch beißt es mich. Es findet Komfort in meiner Angst, es ist ein Dieb. 

Es fängt an zu murmeln, undeutlich auf einer anderen Sprache. Ich merke nicht, wie es mich verbraucht. Denn die Uhr tickt so laut, so unendlich laut; Tick Tack, ich und es, Tick Tack, es und ich, Tick, flackerndes Licht, Tack, es kratzt mich, Tick, ich, ich, der Lichtmelder; es, ich, ich, ich.

Ich atme tief ein und kneife die Augen zu; ich reiß sie auf. Es ist weg und ich bin da: allein. 
Es ist 02:55 und ich kann nicht schlafen.

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Seekrank

"Keine Ahnung, ich glaube eben, also könnte zumindest so sein ...", sagte sie vorsichtig zu ihm und guckte direkt wieder runter und griff zu ihrem Weinglas, mit dem Wissen, dass die Monologe, die mit diesem Satz anfangen, immer die ehrlichsten sind und eine geheime Botschaft mit sich umhertragen. Irgendwo hat sie diesen Wörtern dann ein kleines Schild umgehangen, wie etikettiert, nur mit einer nicht laut ausprechbaren Nachricht, die nur für den Menschen bestimmt ist, der den angehangenen Schriftzug überhaupt findet.

"Ich glaube eben, dass meine Verbindung mit der Farbe Blau zu dir daher stammen könnte, dass ich schon seit Ewigkeiten in das Meer verliebt bin." Er setzte sein Glas ab, was er seit ihres ersten Satzes sowieso nur noch in der Hand hielt, jetzt jedoch für störend empfand, weil er sich auf ihre Worte konzentrieren wollte, um sich auf die Suche nach dem Etikett zu machen. 

"Wenn ich an Meer denke, dann erinnert es mich nicht nur an das Grenzenlose, es ist nicht nur dieses Gefühl von Freiheit an sich, ich glaube, es ist viel mehr das Unberechenbare, die Seite, an die niemand denkt, wenn man von Wasser spricht." Er grinst sie durch das Kerzenlicht über den Tisch an, denn er glaubt, es sei schön zu hören, wie sie ihn mit Wasser verbinde, dabei sei er sich immer ziemlich sicher gewesen, dass wenn er ein Element sein müsse, er wahrscheinlich Feuer wäre. Wasser hatte er vorher nie in Erwägung gezogen.

"Manchmal denke ich, es ist die heimliche Kraft und nicht die offensichtliche, vielleicht ist es auch das Ungewisse, das ich am Meer bewundere. Der Grundbaustein allen Lebens hat auch die Macht, sich mutmaßlich für die Zerstörung zu entscheiden; es nimmt dir das, was es dir grade erst geschenkt hat. Es sind nicht nur die äußeren Einflüsse, durch die wir alle glauben sollen, dass es es genießt. Es ist nicht nur der Sturm, der ganze fremde Schiffe an sich reißt, es sind die Strudel und Schluchten, die es aus eigenem Ermessen erbaut hat, um seinen Fang gierig zu verschlingen. Es ist die gewaltige Tiefe, das kleine Stück Unwissenheit mit dem Beigeschmack von Lebenshunger." 

Er schaute kurz zu Seite, denn sie hatte ihm das Etikett für einen kurzen Moment gezeigt, der lang genug war, um ihn zu besänftigen, dass er mit seinem Gedankengang auf dem richtigen Weg ist, aber kurz genug, um seine Neugier weiter zu locken.

"Und trotz Allem hat das Meer nur eine einzige Schwachstelle; das kleine Bot, dessen Anker viel zu tief und fest sitzt, als dass er jemals von allein, noch mit Gewalt ohne Spuren zu hinterlassen, aus dem Grund gerissen werden könnte, mit der Besatzung, die nur aus einer Person besteht, die aber das entscheidende Instrument in der Hand hält: einen Kompass."
Und da war es, er hält es in seinen Händen und sie strahlen sich an, denn beide wissen, dass nur er dieses Schild finden kann.