Der Skizzenblock

Ich saß dort, dort in meinem Raum, dunkel und undurchsichtig
Dieser Raum war klein, leer; ein bisschen erdrückend. Voller Demut, Unglück. 
Du kamst leise herein, obwohl die Tür knarrt, ganz vorsichtig, trotzdem mit einer beängstigenden Schnelligkeit. 
Die Tür war nur angelehnt; der Schlüssel weg. 
Verschwunden.

Du hast mich aufgehoben, ohne zu hinterfragen, mitgenommen und in deinem Zimmer, direkt neben meinem, welches ich vorher nie richtig bemerkt habe, wieder abgesetzt. 
Ich erschrak, dein Raum: dunkel und undurchsichtig
Dieser Raum war klein, leer; ein bisschen erdrücken. Voller Hoffnung also, Potential.

Wir haben uns zusammen den Grundriss angeguckt, die Wand zwischen den Zimmern einfach durchgebrochen. 
Du hast die Fenster geputzt, während ich gefegt habe. 
Der verschwundene Schlüssel lag genau auf der Grenze, 
eingemauert in Beton. Wir haben ihn zerschlagen, um ihn zu finden. 
Wir strahlen uns an, wir haben Glück, denn wir haben ein Zuhause; 
Heimat bist du.

Das Licht schien endlich durch unsere Fensterfront, erflutet alles; eine Bühne, mit Blick auf das Meer. 
Ein großer Raum, hell und transparent, nur für uns. 
Für immer uns.
Wir haben die Wände blau gestrichen, denn das ist unser Kunstwerk, unsere Gabe. Unser Raum ist eine Galerie und von Zeit zu Zeit haben wir ein neues Meisterwerk aufgehangen. 
Ein Loch in die Wand geschlagen, ausgemessen wo die perfekte Lichteinstrahlung ist und es platziert. 


Es ist Winter, wenig Sonne, das künstliches Licht der Lampe hat nicht den selben Effekt; 
oder meinen wir das nur zu glauben, zu wissen? 
Ein Meisterwerk bleibt doch ein Meisterwerk, oder?
Es hält an, Winterdepression, die alte Farbe für unsere Gemälde sind leer; und ich frage:
"Warum holen wir keine neue Farbe?" 
Aber du sagtest, es gäbe keine Farbe mehr in diesem Ton, sie sei momentan leer, aufgebraucht. 
Dabei kommt es bei Meisterwerken doch nicht auf die Farbe an, oder? 
Ein Meisterwerk bleibt doch ein Meisterwerk, der Inhalt, die Arbeit, die Zuneigung ist doch eigentlich das Tatsächliche. 
Aber Kunst war nie Deins, bevor du mich kanntest.

Als du gemerkt hast, dass etwas mit den Bilder nicht stimmt, bist du gegangen. Du hast die Tür aufgelassen und den Schlüssel mitgenommen. 
Am liebsten würdest du alle Gemälde verkaufen, aber den Wert den sie für dich haben, wirst du nie erstattet bekommen.
Um welchen Preis? 
Du hängst sie ab, drehst sie um.

Du weißt wie sehr ich friere, es ist Januar und der Ring mit deinem Versprechen wärmt mich nicht. 
Es lacht mich aus:"Für immer!"
 Es zieht durch die Tür, du hast sie von außen abgeschlossen; 
ist einfacher, unkompliziert, ein Schnitt. 
Du schluckst den Schlüssel runter, er liegt dir schwer im Magen und er kommt dir immer wieder hoch. 

Ich sitze dort und bemerke: unsere Galerie ist schön, denn sie ist echt. 
Mal endlich mit mir in der Dunkelheit! Komm zurück und stell dich, 
denn ein Meisterwerk ist noch immer ein Meisterwerk, 
wenn der Raum leer ist und die Lichter aus sind.



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1 Kommentar:

  1. Wenn du nicht irgendwann Autorin wirst, dann weiß ich auch nicht mehr weiter!!
    LG Sorina

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