Das Plusquamperfekt

"Letzte Worte sind das, was übrig bleibt, wenn der Rest schon verschwommen ist. Sie sind das, woran wir uns klammern, bei denen wir bedacht sind, geschickt auszuwählen, da sie im Raum stehen bleiben werden, wenn es tatsächlich die Letzten waren", erklärte sie vorsichtig.

Eigentlich sind diese Worte doch schon jetzt mit Blut behaftet, denn genau diese Sätze sind es, an die wir uns erinnern und die, die uns jagen werden, es sind die, die uns nachts aus dem Schlaf reißen und es sind die, bei denen wir zusammenzucken, wenn ein anderer Mensch sie in den Mund nimmt und es wagt, sie laut auszusprechen. 

"Du glaubst doch nicht wirklich, dass das unsere letzten Wörter sind, oder?", erwiderte er spöttisch und mit einem leichten Lächeln, dass er eigentlich unterdrücken wollte. 
"Wir beide wissen, dass wir uns Wiedersehen, irgendwo, irgendwann."

Und dann, dann als sie eigentlich ihre letzten Worte, fein säuberlich einstudiert, hätte vortragen können, genau dann, 
dann war Stille. 

Denn Stille heißt kein Abschied und kein Abschied heißt Wiedersehen heißt Hoffnung, heißt Vergebung.

Wenn die zwei ehrlich zueinander waren wussten sie, dass sie nie letzte Worte füreinender finden werden. Man braucht keine letzten Worte, wenn man weiß, dass es nicht die Letzten sind.

"Sehr viele Leute sind der Auffassung, dass ich zu schwach für dich bin, sie sagen, ich sei dir einfach nicht gewachsen, einfach aus dem Grund, dass ich dich zu sehr liebe.", flüsterte sie so vorsichtig vor sich hin, dass er es grade so hören, aber dennoch runterschlucken konnte. 
"Sie sagen, ich sei nicht stark genug."
Dabei ist es das Stärkste, dass ein Mensch jemals tun kann; bedingungslos lieben.

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