Des Löwen Marionette

Er drehte sich ein letztes Mal zu mir um, lächelte mich an und hielt mir seinen Arm hin. Ich hakte mich ein und wir liefen die Schritte von der Drehtür bis zu den Stufen. Dann fiel der Vorhang und wir blieben stehen. Die Scheinwerfer auf uns gerichtet, sowie jedes einzelne Augenpaar des großen Saales. Wie untertänig erreichen uns die Blicke Aller, teils schockiert, teils gedemütigt und teils schaulustig. Wir standen dort ganz allein, allein in der Manege, die ich für eine Bühne hielt. Als er meinen Arm losließ, sich zu mir drehte und mich küsste ging ein Raunen durch die Menge. Alles wie in Trance, die Leute setzten ihre Gläser ab, sie schluckten es runter, sie hingen an unseren Lippen, an unseren Augen. Er zog mich näher an ihn ran und flüsterte mir ein angetrunkenes: " Komm, ich will dir etwas zeigen.", in mein Ohr. 

Ich lächelte, ich wusste nicht, was dies bedeuten sollte; Alles vielleicht, aber sicherlich nicht Vergewaltigung.


Der Hofstaat bildete eine schmale Gasse für das Königspaar, aber eigentlich war es ein schon mit Kopfsteinpflaster geprägter Weg, eine Straße und kein einfacher Pfad. Schwebend leicht stolzierte ich durch die Manege, bis zum Haupteingang, am Ticketverkäufer vorbei und an der langen Schlange vor dem Zirkuszelt entlang. Es war dunkel draußen, keine Scheinwerfer und keine hungrigen Blicke des Volkes mehr, ich sah noch einen letzten Blick, seinen Blick: gefräßig.

  Ich lächelte, ich wusste nicht, was dies bedeuten sollte; Alles vielleicht, aber sicherlich nicht Vergewaltigung.

Er ließ mich los und griff nach meinem Arm, er zog, er zerrte. Das "Hör auf, du tust mir weh." verlor sich in der Nacht, vielleicht auch in der Kälte, ich erinnere mich nicht. Ich stolperte, meine Schuhe zu hoch, mein Kopf zu schwer, seine Schritte zu schnell, zu bestimmend, ein bisschen zu bestimmend, viel zu bestimmend, zu bestimmend, um mich losreißen zu können. Wir waren angekommen, hinter dem Altbau, der sicheren Schutz bieten sollte, welcher mich trotzdem schutzlos auslieferte. Er ließ meinen Arm los, bevor er mich an der Schulter griff. Ich schlug seine Hand weg, um etwas Abstand zu gewinnen, doch das war noch mehr Ansporn. Ich wusste nicht, dass sich der Löwenzwinger hinter dem Zirkus befand oder das der Geruch von Blut den Jagdinstinkt weckt. 

Ich lächelte, ich wusste nicht, was dies bedeuten sollte; Alles vielleicht, aber sicherlich nicht Vergewaltigung.

Er griff mich wieder bei der Schulter, diesmal fester und mit einem Plan und drückte mich mit meinem Gesicht zur Wand. Ich wehrte mich, ich versuchte mich umzudrehen, loszukommen; er ließ mich kurz gewinnen und mich umdrehen, dann schlug er zu. Und ich fiel. Ich fiel zu Boden und während mein Kopf auf dem harten, unterkühlten Boden aufschlug, kam die Trance wieder, alles war in Zeitlupe, trotzdem ging alles viel zu schnell. Ich hörte, wie er seinen Gürtel öffnete, das war der Startschuss aus der Pistole. Sie traf aber nicht den Löwen, sie verfehlte ihn und traf mich. Er drückte mich weiter zu Boden, fasste meine Beine und zerriss die Strumpfhose. Mein kläglicher Versuch, mich zusammenzukauern war erfolglos, denn er hatte mich fest im Griff, in seiner Gewalt; ich spürte ihn in mir. Ich kniff meine Augen zu, bemerkte aber, wie er mich hochhievte. Dort war ein kurzer Lichtblick, war es etwa schon vorbei? Die Frage beantwortete sich von selbst, als er mich gegen das Gemäuer schubste. Ich schlug mir erneut den Kopf an, wollte mich wegdrehen, dann schlug er zu. Wieder und wieder schlug er meinen Kopf gegen die Hauswand; ich verlor das Bewusstsein und knickte zusammen. Ich spürte ihn endlich nicht mehr in mir.

  Ich lächelte, ich wusste nicht, was dies bedeuten sollte; Alles vielleicht, aber sicherlich nicht Vergewaltigung.

Er wurde sauer, es gibt keinen Reiz mehr, wenn die Beute sich nicht wehrt, deswegen dreht er mich wieder um, zusammengekauert mit dem kahlen Rücken zur Hauswand. Als ich langsam wieder zu mir kam, kam er wieder näher; direkt auf mich zu. Ich drehte meinen Kopf weg, doch er hielt ihn fest. Ich wehrte mich, das brachte ihn wieder auf Hochtouren; der Schwebezustand setzte wieder ein, ich schmeckte Blut, jede Menge Blut und ihn. Er drückte mich mit aller Kraft gegen die Wand und bediente sich seiner erlegten Beute, bis er sich selbst den gewünschte Preis auszahlte. Er hatte die Ziellinie erreicht und hielt mir den Mund zu, es schnürte mir noch mehr den Atem zu, als es ohnehin schon tat. Ich schluckte es runter, ich schluckte alles runter, ihn, die Erinnerung, diese Nacht. Er schlug nochmals zu und ich blieb liegen, mehrere Stunden, bis die Trance auseinander fiel. Ich kroch über den Boden, stand ein letztes Mal auf, rannte aus dem Käfig und wieder rein in die Manege, niemand mehr da, der sich meinen Auftritt anschauen wollte. Wie hypnotisiert wanderte ich die große Stufe hoch und blieb vor dem Spiegel stehen und sah mich an; Blut, überall. Ich sah direkt in meine Augen. 

Ich lächelte, ich wusste nicht, was dies bedeuten sollte; aber es stand auf mir geschrieben: Vergewaltigung.

1 Kommentar:

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