Hohes Gericht

"Ich will hier so unbedingt weg, ich muss es sogar.", flüsterte er leise in die Leere, die ihn umgab, obwohl er inmitten seines selbstgebauten Labyrinthes saß. "Ich weiß nicht, ob man mich noch retten kann, ob ich so leben muss oder ob wir das schaffen können.", flüsterte er erneut den dunklen Gang entlang. Doch alles was da war, war das Echo. Schrill pfeifend trifft es seine Ohren und er zuckt zusammen. Beim Umschauen bemerkt er, dass er diesen Ort kennt, er war hier schon zweimal. 

Von weit weg, kommt eine leise Melodie, die ihn versucht zu lenken, zu helfen. Von einer anderen Seite hört er Getuschel, die Schaulustigen sind gekommen, um ihn zu beobachten. Anklagend stehen sie da, weit über ihm auf einem Balkon, der die Aussicht auf den ganzen Komplex freigibt und blicken auf ihn in seinem eigenen Gefängnis herab, lachen lauthals; schrill. 

Die Turmuhr schlägt und das Spektakel geht los. Die zusammengepferchten Löwen werden aus den Zwingern gelassen, sie stürzen los, sie wittern Angst. Das Labyrinth bewegt sich, die Gänge verschieben sich, sein Fluchtweg hat sich versperrt; dabei war er es selbst, der zur Show eingeladen hat. Das Rudel hat ihn gewittert und verfolgt ihn während er sich immer weiter verrennt. Alles ist verschwommen, unklar, es ist dunkel, doch es blendet ihn. 

Die weißen Skulpturen am Rand, die dort schon immer stehen, aber sonst irrelevant sind, steigen von ihren Sockeln. Da stehen die Porzellanfrauen um ihn herum; in ihren weißen Kleidern, mit freien Händen, um ihn an einen anderen Ort zu bringen. "Ich habe so eine Angst", stottert er und greift einfach zu; "Jedes Gefühl ist grade besser, als das. Betäubt mich einfach, ich fühl zu viel Schmerz!" 

Die Tribüne stößt an, auf das Meisterwerk, welches sich vor ihnen abspielt; es war jeden Preis wert. Die Frauen legen ihn in eine schmale Gasse, schauen zu, wie das Gift sich ausbreitet; ziehen sich aus und legen sich zu ihm. Doch der letzte klare Gedanke, ist die Erinnerung an die Melodie, die immer weniger zu ihm durchdringt.

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