Kommuikationsquadrat

Manchmal spürt man die schwere der Luft, meistens dann, wenn sie einem selbst zum Atmen fehlt. Man spürt wie langsam sie vergeht, die Zeit, wenn sie mit einem Glas Rotwein auf der fremden Couch eines fremden Mannes sitzt. Verfremdlich, wie er sich zu ihr setzt, obwohl sein eigentliches Rendezvous grade auf dem Balkon steht und raucht. "Ich wollte mal nach dir sehen und fragen wie es dir geht.", flüstert er und legt seine Hand auf Ihre, die sie im Schoß platziert hatte. Das verlegene Lächeln ihrerseits und das Wegziehen ihrer Hand, um sich ein Haar aus dem Gesicht zu streichen, sollte ein Zeichen geben, aber es kam nicht an. Seine Hand fuhr ihr Bein hinauf, immer weiter; sie stand auf, ging raus auf den Balkon, er kam ihr nach. "Wir fahren jetzt Ladies, holen noch 'nen Freund ab und dann in die Bielefelder Innenstadt.", prostete er hinaus in den Nachthimmel, er wollte auf sich selbst anstoßen. Die beiden Frauen bleiben noch kurz oben, trinken das Glas aus und sehen, wie er seinem teuren Sportwagen vorfährt; beeindruckend, schwebt es in den Gedanken der Einen; verhängnisvoll, hallt es in den Gedanken der Anderen.

Zu viert steigen sie aus dem Wagen, den er direkt vor einer großen Bar geparkt hat und lassen sich von den Augen der Leute abtasten, während sie sich inmitten all dessen platzieren und ihre Getränke bestellen. Es ist ein schöner Ort, die Nacht ist warm, sie sitzen unter einem alten Baum, wie in einem Vorgarten auf Holzklappstühlen unter Lichterketten, die Atmosphäre ist entspannt; sie ahnen nichts.
Nach mehreren Drinks bezahlen die Männer die Rechnung, sie grinsen sich an, sie planen etwas, der Plan scheint aufzugehen. Aufzustehen und zu gehen; mit einem erflogssicheren Ausdruck im Gesicht und seiner Hand, die ihren Rücken immer weiter runterfährt, langsam, bis er stehen bleibt und sie an sich ranzieht; sie dreht sich weg. "Du wirst mich noch wollen, warte nur ab.", zischt er und lässt sie los.

Es ist viel Zeit vergangen, sie erinnert sich nur verschwommen. Aber ein Monolog hallt noch deutlich nach:" Marlene, dreh dich bloß nicht um, ich hab gesehen, wie er dir was in dein Glas getan hat, aber wir müssen jetzt vorsichtig sein. Keine Ahnung, ob die uns vorher schon irgendwo was reingefüllt haben, alles was zählt ist, dass wir zurück in seine Wohnung kommen, unsere Sachen und den Autoschlüssel holen und hier weg sind, bevor uns was passiert. Wenn du dich gleich umdrehst, bringst du ihn dazu, wieder mit uns nach Hause zu fahren. Wir wissen beide, dass er dich will, er darf nichts merken. Ich suche in der Wohnung alles zusammen und verstecke mich auf der Toilette und Marlene: kurz bevor er dich ausziehen will, sagst du, dass du dich frischmachen gehen willst und dann müssen wir rennen."

Ich erinnere mich daran, an das Rennen, an das Ankommen im Auto und an die Flucht vor alten Erinnerungen, an die zweiminütige Autofahrt, bevor ich das Bewusstsein verlor, aber vor allem: an die Angst.


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